Vom 02. Juni bis 12. Juli 2026 ist die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Hildesheim zu sehen. In Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Lamberti und der Forschungsgruppe Jugendhilfe in der DDR an der Universität Hildesheim lädt die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau zum Besuch ein.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 02. Juni – 12. Juli 2026
Öffnungszeiten: täglich 09:00 bis 17:00 Uhr
Ausstellungsort: Neustädter Markt 26, 31134 Hildesheim
Der Eintritt ist frei.
Awareness während des Begleitprogramms
Awareness bedeutet, aufmerksam für Grenzen, Bedürfnisse und mögliche Belastungen zu sein und einen achtsamen, respektvollen Umgang miteinander zu unterstützen.
Da die Veranstaltungen im Begleitprogramm zur Wanderausstellung „BLACKBOX Heimerziehung“ sensible Themen wie Gewalt, Leid, institutionelle Aufarbeitung und Erfahrungen von Betroffenen behandeln, ist bei folgenden Programmpunkten eine Awareness-Begleitung vorgesehen: 25.06. Filmabend mit Gespräch und 02.07. Vortrag zur Aufarbeitung von Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe Ost/West.
Während dieser Veranstaltungen sind Awarenesspersonen ansprechbar, wenn Inhalte belastend wirken, sich eine Person unwohl fühlt oder ein kurzes Gespräch hilfreich wäre. Zusätzlich steht ein Rückzugsraum zur Verfügung. Es ist jederzeit möglich, den Veranstaltungsraum zu verlassen, kurz Abstand zu nehmen oder sich an die Awarenesspersonen zu wenden.
Awareness ersetzt keine therapeutische oder krisenintervenierende Begleitung, kann aber zuhören, unterstützen, Orientierung geben und bei Bedarf auf weitere Hilfs- und Beratungsangebote verweisen.
02.06.2026 | Eröffnung
Ort: Auf dem Vorplatz der Kirche St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00-18:30 Uhr
Die Veranstalter*innen laden herzlich zur Eröffnung der Wanderausstellung ein. Neben Grußworten wird es eine Einführung in die Ausstellung und anschließend die Möglichkeit geben, sich die Ausstellung anzuschauen.
Grußworte:
Peter Noß-Kolbe (Pastor der Kirchengemeinde St. Lamberti)
Dr. Carolin Ehlke (Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim, Forschungsgruppe Jugendhilfe in der DDR)
Simone Flohr (SPD-Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Landkreis Hildesheim)
Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Professor an der Universität Hildesheim, Forschungsgruppe Jugendhilfe in der DDR)
Hannes Schneider (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau)
FÄLLT LEIDER AUS! 11.06.2026 | Gespräch mit einer Zeitzeugin der DDR-Heimerziehung
Die Verantaltung muss leider abgesagt werden!
Ort: Saal der Kirchengemeinde St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00 – 18:30 Uhr
Wir laden Sie zum moderierten Gespräch mit der Zeitzeugin Silke K. ein. Sie ist Betroffene der DDR-Heimerziehung und berichtet seit Jahren über ihre Erfahrungen im Rahmen der Bildungsarbeit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau.
17.06.2026 | Vortrag “Deutungskämpfe um Kindheit und das Kinderbetreuungssystem in der DDR”
Ort: Saal der Kirchengemeinde St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00-18:30 Uhr
Referentin: Prof.’in Dr.’in Meike Sophia Baader
Der Vortrag gibt einen Einblick in das Aufwachsen von Kindern in der DDR und nimmt das Verständnis von Kindheit in den Blick – ein bis heute umkämpftes Thema. Ein Schwerpunkt wird auf das Kinderbetreuungssystem – insbesondere Krippen – gelegt.
25.06.2026 | Filmabend und Diskussion
Ort: Saal der Kirchengemeinde St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00-18:30 Uhr
Es wird der Film ”Schlimmer als Knast – Jugendwerkhöfe der DDR“ von Katarina Schickling gezeigt. In dem Film wird das System der Spezialheime mit Fokus auf die Jugendwerkhöfe dargestellt und die Gründe für eine Heimeinweisung nachgezeichnet. Es kommen darin auch jene Menschen zu Wort, die in diesen Heimeinrichtungen in der DDR als Kinder und Jugendliche gelebt und leid- und gewaltvolle Erfahrungen gemacht haben, die sich auch noch auf ihr heutiges Leben auswirken. Es wird z. T. von expliziten Gewalterfahrungen erzählt.
02.07.2026 | Vortrag “Aufarbeitung der Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe Ost/West”
Ort: Saal der Kirchengemeinde St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00-18:30 Uhr
Referentinnen: Nastassia Böttcher, Dr.’in Carolin Ehlke, Dr.’in Carolin Oppermann, PD Dr.’in Julia Schröder, Karl Haucke
Seit 2010 gelangen die Missstände in unterschiedlichen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen in Ost und West vermehrt in die Öffentlichkeit. Das Sichtbarwerden von Leid- und Gewalterfahrungen wurde erst durch die vielzähligen Berichte von Betroffenen möglich. Die Ermöglichung von Gewalt in diesen Einrichtungen wird seitdem in unterschiedlichen Forschungsprojekten und vor allem durch die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs rekonstruiert und sichtbar gemacht. Der Vortrag gibt einen Einblick in den aktuellen Stand der Aufarbeitungsforschung in Ost und West. Darin soll deutlich gemacht werden, warum die Beteiligung von und die Perspektiven der Betroffenen selbst den Maßstab der unterschiedlichen Aufarbeitungen darstellt.
07.07.2026 | Vortrag “Schutz für junge Menschen – keine Selbstverständlichkeit. Einblicke in die Arbeit von NOVA, der Ombudstelle für die Kinder- und Jugendhilfe in Hildesheim”
Ort: Saal der Kirchengemeinde St. Lamberti
Uhrzeit: 17:00-18:30 Uhr
Referentinnen: Dr.’in Tanja Rusack, PD Dr.’in Severine Thomas
Der Vortrag richtet den Blick auf die Gegenwart. Er zeigt auf, wie wichtig das Thema Schutz und Schutzkonzepte in der Kinder- und Jugendhilfe ist, um die Verletzung der persönlichen Rechte und damit zusammenhängende Gewalterfahrungen von jungen Menschen zu verhindern. Ein Aspekt des Schutzes der jungen Menschen sind externe Anlaufstellen in Form sog. Ombudstellen. In Hildesheim gibt es die Ombudstelle NOVA, deren wichtige Arbeit bei dem Vortrag vorgestellt wird.
Heimerziehung in Ost und West
Die Präsentation in Hildesheim bildet den Auftakt einer Reihe von Ausstellungsstationen der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in den westdeutschen Bundesländern. Das Mobile Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau informiert über die Geschichte der repressiven DDR-Heimerziehung.
Ein umfangreiches Begleitprogramm widmet sich den Erfahrungen junger Menschen in Einrichtungen der Heimerziehung. Im Mittelpunkt stehen Leid- und Gewalterfahrungen, zugleich werden die Vielfalt individueller Erfahrungen und die unterschiedlichen Lebenswege ehemaliger Heimkinder berücksichtigt. Die Veranstaltungen nehmen sowohl die Heimerziehung in der DDR als auch jene in der Bundesrepublik vor 1990 in den Blick.
Darüber hinaus richtet sich die Perspektive auf die Gegenwart. Thematisiert werden die Rahmenbedingungen der heutigen Kinder- und Jugendhilfe sowie Schutzkonzepte und unabhängige Beschwerdestellen für junge Menschen.