Vom 18. Juni bis zum 8. September 2024 war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Marienborn auf dem Gelände der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn zu sehen. In Kooperation mit der Gedenkstätte informierte das mobile Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau am historischen Ort des ehemaligen größten DDR-Grenzübergangs über die Geschichte der repressiven Heimerziehung in der DDR.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 18.06.–08.09.2024
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr
Ausstellungsort: Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Autobahn 2, 39365 Harbke
Der Eintritt ist frei.
08.09. | 15 Uhr Finissage (Tag des offenen Denkmals)
Am 8. September 2024 endete die Station Marienborn mit einer Abschlussveranstaltung am Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte“. Um 15 Uhr fand ein Zeitzeuginnengespräch mit einer Betroffenen der repressiven DDR-Heimerziehung statt.
Moderation: Manuela Rummel (Gedenkstätte GJWH Torgau)
Ort: Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Hauptgebäude (Besucherzentrum), 1. OG, Autobahn 2, 39365 Harbke
Programm
- 10:30 Uhr Vortrag „Kontrolle, Befestigung, Representation: Der Bau der Grenzübergangsstelle Marienborn“ Dr. Felix Ludwig
- 11:00 Uhr Sonderführung durch die Tunnel
- 13:00–17:00 Uhr Exklusive Einblicke in die Trafo-Station der ehemaligen GÜSt Marienborn
- 14:15 Uhr Führung zu historischen Militärfahrzeugen
- 15:00 Uhr Finissage BLACKBOX HEIMERZIEHUNG: Zeitzeuginnengespräch
- 16:15 Uhr Sonderführung durch die Tunnel
Hinweis: Während der Standzeit verzeichnete die Ausstellung am Standort Marienborn bereits 19.260 Besucher:innen und damit einen Besucherrekord.
Geschichte
Jugendwerkhof Burg
Der Jugendwerkhof „August-Bebel“ in Burg in Sachsen-Anhalt wurde 1949 in einer ehemaligen Landeserziehungsanstalt auf dem Gut Lüben eingerichtet. Mit 360 Insassen, etwa ein Drittel Jungen und zwei Drittel Mädchen, entwickelte er sich zum größten Jugendwerkhof der DDR – die Einrichtung war ein Massenbetrieb. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde sie verkleinert.
Auffällig an dem Jugendwerkhof ist die große Zahl der Jugendlichen, die einen Fluchtversuch unternahmen. So versuchten 211 Jugendliche im Jahre 1962 zu entkommen. Ende der 1970er Jahre dauerte der Aufenthalt in dem Heim für die meisten Jugendlichen bis zu einem Jahr. Es gab aber auch etliche Jugendliche, die drei und mehr Jahre in dem Jugendwerkhof verbringen mussten – manche bis zu sieben Jahren und länger.
Viele Jugendliche arbeiteten als billige, dringend benötigte Arbeitskräfte in den Betrieben der Umgebung, beispielsweise in dem VEB Knäcke-Werke Burg. Wie überall in den Jugendwerkhöfen erhielten die Jugendlichen nur Teilausbildungen, die Jungen beispielsweise in der Schuhfabrik „Roter Stern“ in Burg, die Mädchen zum Beispiel im Werk Burg des VEB Volltuchwerke Crimmitschau. Mit diesen Teilausbildungen waren die Jugendlichen kaum für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Ein interner Bericht kritisierte 1981 zudem die schlechte Qualität der Berufsausbildung in zwei Betrieben, weil die Jugendlichen vor allem zu Hilfsarbeiten eingesetzt würden.