Vom 3. bis 25. Mai 2023 war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Wolfersdorf auf dem Gelände des heutigen Jugendhilfezentrums in Trockenborn-Wolfersdorf (Thüringen) zu sehen. In Kooperation mit dem WENDEPUNKT e.V. setzte das mobile Denkzeichen einen Impuls für die lokale Auseinandersetzung mit der repressiven Heimerziehung in der DDR.
Im Mittelpunkt stand dabei die Geschichte des Jugendwerkhofs „Neues Leben“, der von 1955 bis 1989 auf dem Gelände des heutigen Jugendhilfezentrums Wolfersdorf sowie im benachbarten Schloss untergebracht war.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 03. Mai – 25. Mai 2023
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr
Ausstellungsort: Jugendhilfezentrum Wolfersdorf (WENDEPUNKT e.V.), Rothehofstal 2, 07646 Trockenborn-Wolfersdorf
Gruppen nach Voranmeldung: jana.schenker@wendepunkt-ev.net
Eintritt ist frei.
03.05. | 17 Uhr Eröffnungsveranstaltung
Der WENDEPUNKT e.V. und die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau laden Sie herzlich zur Eröffnung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG am 3. Mai um 17:00 Uhr in der Turnhalle des Jugendhilfezentrums Wolfersdorf ein.
Programm
- Begrüßung
Jana Schenker (Jugendhilfezentrum Wendepunkt Wolfersdorf) - Grußwort
Peter Wurschi (Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) - Vortrag
Der Jugendwerkhof „Neues Leben“ Wolfersdorf im Kontext des Heimsystems der DDR
David Schmidt (Historiker und Autor der Broschüre „Der Jugendwerkhof ‚Neues Leben‘ Wolfersdorf: Spuren und Perspektiven 1955 – 1989“) - BLACKBOX HEIMERZIEHUNG – Mobiles Denkzeichen zur repressiven DDR-Heimerziehung
Christian Gaubert (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau)
Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch bei einem Getränk und einem kleinen Snack sowie die Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG und des „Ortes der Erinnerung“.
05.05. | 14. Fachtag für Fachkräfte
„Macht und guter Alltag in der Heimerziehung“
Auch wenn die Rahmenbedingungen und Ziele der heutigen Jugendhilfe und des Erziehungssystems der DDR grundlegend unterschiedlich sind, gibt es dennoch Themen und Fragestellungen, die systemübergreifend aktuell bleiben. Dazu gehört das Thema „Macht in der Erziehung“ und damit die Herausforderung, im Alltag stationärer Einrichtungen professionell damit umzugehen. Im Spannungsfeld zwischen Jugendhilfe damals und heute suchte der Fachtag nach Antworten, wie ein guter und förderlicher Alltag gelingen kann.
24.05. | Finissage zur Ausstellung
„Den Betroffenen eine Stimme geben“
Programm
- Begrüßung
Jana Schenker (Jugendhilfezentrum Wendepunkt Wolfersdorf) - 11.30– 13.00 Uhr
Der Jugendwerkhof „Neues Leben“ Wolfersdorf; Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG und des „Erinnerungsortes“ - 14.00 – 15.00 Uhr Moderiertes Zeitzeugengespräch zum Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau
- Bis 18.00 Uhr: Austausch und Gespräche
Geschichte
Jugendwerkhof „Neues Leben“ Wolfersdorf
Auf dem Gelände des heutigen Jugendhilfezentrums Wolfersdorf und im benachbarten Schloss war von 1955 bis 1989 der Jugendwerkhof „Neues Leben“ untergebracht. Mit rund 150 Plätzen gehörte der Jugendwerkhof zu den größten Einrichtungen dieser Art in Thüringen. Zum Gelände zählten neben dem Schloss u. a. die ehemalige Landwirtschaft und die alte Schlossmühle; weitere Gebäude entstanden erst nach 1955. Zeitweise lebten und arbeiteten in Wolfersdorf bis zu 200 Jugendliche aus der gesamten DDR.
Eingewiesen wurden Mädchen und Jungen meist im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, wenn sie bei Schule, Polizei oder anderen staatlichen Stellen als von der „Norm“ abweichend galten. Die Begriffe und Begründungen blieben dabei bewusst unscharf. Obwohl Jugendwerkhöfe offiziell als „offen“ galten, führten Hausordnung, Disziplinierungen, die Abgeschiedenheit der Lage und Eingriffe in persönliche Freiheiten häufig zu einer tatsächlichen Geschlossenheit.
Ein Wochenplan aus den späten 1970er Jahren zeigt das straffe „pädagogische Regime“: sehr frühes Wecken, Frühsport, Kontrollen, anschließend Schule oder Arbeit bis in den Nachmittag und am Abend politisch-ideologische bzw. kollektive Verpflichtungen; persönliche Freizeit war nur in begrenztem Umfang vorgesehen. Arrest galt als höchste offizielle Strafe – in Wolfersdorf gab es dafür mehrere Arrestzellen.