Zeitzeugen gesucht

Werden Sie Teil von Blackbox Heimerziehung und teilen Sie Ihre Geschichte

Zeitzeugen gesucht

Vom 27. Mai bis zum 16. Juli 2023 war die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« in Burg (bei Magdeburg) auf dem Rolandplatz zu sehen. Am Ort des größten Jugendwerkhofs der DDR machte die Ausstellung die Geschichte der repressiven DDR-Heimerziehung sichtbar und erinnerte an die Schicksale ehemaliger Heimkinder. In Kooperation mit dem Cornelius-Werk Diakonische Hilfen gGmbH, der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stadt Burg setzte die Station einen Impuls für die Auseinandersetzung mit der Heimgeschichte vor Ort. Im Mittelpunkt stand dabei der Jugendwerkhof „August Bebel“.

 

Ausstellungsdaten

 

Zeitraum: 27. Mai – 16. Juli 2023
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Ausstellungsort: Rolandplatz, 39288 Burg (Sachsen-Anhalt)

 

Der Eintritt ist frei.

 

27.05. | 16 Uhr Eröffnungsveranstaltung

Die Eröffnungsveranstaltung fand auf dem Rolandplatz in Burg statt. Begleitet wurde sie von Grußworten des Bürgermeisters Philipp Stark und der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt Birgit Neumann-Becker.

 

 

Programm

 

  • Grußwort Phillipp Stark (Bürgermeister der Stadt Burg b. Magdeburg)
  • Grußwort Birgit Neumann-Becker (Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt)
  • Zur Geschichte des Jugendwerkhofs „August Bebel“, Dr. Steffen Meyer (Dachstiftung Diakonie) / Stefan Böhme (Geschäftsführung Cornelius-Werk Jugendhilfe)
  • Zum Projekt „Blackbox Heimerziehung“, Dr. Christian Gaubert (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau)

Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und zur Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG.

 

05.07. | 17:30 Uhr Filmvorführung „Sabine Wulff“

In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte und der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur präsentierte das Burg Theater den DEFA-Film „Sabine Wulff“. Die Filmvorführung fand am 5. Juli 2023 um 17:30 Uhr im KINO BURG THEATER (Magdeburger Str. 4, 39288 Burg) statt. Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum Gespräch sowie zur Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG.

Zum Film – SABINE WULFF

Regie: Erwin Stranka, 91 Min., Farbe, Spielfilm, DDR, DEFA-Studio für Spielfilme, 1978.

 

Sabine Wulff (gespielt von Karin Düwel), die von ihrem Freund zum Zigarettendiebstahl angestiftet wurde, wird 18-jährig aus dem Jugendwerkhof entlassen. Zu ihren Eltern möchte sie nicht zurück. Sie sucht sich eine Wohnung und nimmt eine Arbeit in der Schuhfabrik auf. Ihren Freund Jimmy (Manfred Ernst) liebt sie noch immer. Der Film fragt nach den Schwierigkeiten bei der Eingliederung einer jungen Frau in die DDR-Gesellschaft nach einem 18-monatigen Aufenthalt in einem Jugendwerkhof:

Wie verhalten sich Mitmenschen ihr gegenüber? Erleichtern sie ihr den Neustart oder erschweren sie ihn? Wie verhält sich das Mädchen selbst? Mit welchen Vorurteilen sieht sie sich konfrontiert?

 

Szenenfotos: Sabine Wulff, Deutsche Demokratische Republik (DDR) 1978. SABINE WULFF © DEFA-Stiftung, Dieter Jaeger.

Link: Trailer auf dem Youtube-Kanal der DEFA-Stiftung

Hintergrund

Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 5. September und 8. Dezember 1977 statt. Gedreht wurde u. a. in Burg bei Magdeburg – im dortigen Jugendwerkhof „August Bebel“ und in der VEB Schuhfabrik „Roter Stern“. Weitere Aufnahmen entstanden in Berlin, Potsdam und Nauen. Premiere feierte die Produktion am 9. November 1978 im Berliner Kino Kosmos.

Link: Zur Website des KINO BURG THEATER | Zur Website der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Geschichte

Jugendwerkhof „August-Bebel“ in Burg

Der Jugendwerkhof „August Bebel“ wurde 1949 in einer ehemaligen Landeserziehungsanstalt auf dem Gut Lüben in Burg eingerichtet. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Einrichtung zum größten Jugendwerkhof der DDR. Zeitweise waren dort bis zu 360 Jugendliche untergebracht – etwa ein Drittel Jungen und zwei Drittel Mädchen. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde der Jugendwerkhof verkleinert.

 

Auffällig ist die hohe Zahl an Fluchtversuchen: Allein 1962 versuchten 211 Jugendliche zu entkommen. Ende der 1970er Jahre dauerte der Aufenthalt für viele Jugendliche bis zu einem Jahr. Zugleich gab es Jugendliche, die drei Jahre und länger im Jugendwerkhof bleiben mussten – in Einzelfällen sogar bis zu sieben Jahre und darüber hinaus.

 

Zum Alltag gehörte der Arbeitseinsatz in Betrieben der Umgebung. Jugendliche arbeiteten unter anderem im VEB Knäcke-Werke Burg. Wie in den Jugendwerkhöfen üblich, erhielten sie außerdem nur Teilausbildungen: Jungen waren beispielsweise in der Schuhfabrik „Roter Stern“ eingesetzt, Mädchen unter anderem im Werk Burg des VEB Volltuchwerke Crimmitschau. Ein interner Bericht kritisierte 1981 zudem die Qualität der Ausbildung in zwei Betrieben, weil die Jugendlichen dort vor allem zu Hilfsarbeiten herangezogen wurden.

 

 

Zeitzeugen gesucht