Vom 15. Juli bis zum 22. August 2025 waren in Rostock gleich zwei Wanderausstellungen zu sehen, die sich mit repressiven Maßnahmen der SED-Diktatur auseinandersetzen. Die „BLACKBOX HEIMERZIEHUNG“ thematisiert das repressive DDR-Heimsystem und „Einweisungsgrund: Herumtreiberei“ beleuchtet die Geschichte der Geschlossenen Venerologischen Stationen. Gezeigt werden beide Ausstellungen zunächst in der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Untersuchungs-haftanstalt (DuG) Rostock. Die Präsentation beider Ausstellungen und der Veranstaltungsreihe „Ich will nicht hinter Gittern
leben“ erfolgte in Kooperation mit der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock, dem Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und der Hanse- und Universitätsstadt Rostock.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 15. Juli – 22. August 2025
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 10–15 Uhr, sowie nach Anmeldung
Ausstellungsort: Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock (DuG), Grüner Weg 5, 18055 Rostock
Der Eintritt ist frei.
BLACKBOX HEIMERZIEHUNG
Die Wanderausstellung BLACKBOX HEIMERZIEHUNG der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau gastiert an historischen Orten der DDR-Heimerziehung und klärt im Innen- und Außenbereich eines umgebauten Seecontainers über die Geschichte des repressiven DDR-
Heimsystems auf. Seit 2022 ermöglichte die Ausstellung bereits an 21 verschiedenen Standorten die Auseinandersetzung mit einem Teil der DDR-Geschichte, der vielerorts bereits in Vergessenheit geraten ist. Am neuen Standort wird die Geschichte des Durchgangsheims in Rostock-Bramow
(1951–Ende der 1980er Jahre) und des Jugendwerkhofs Rühn (1950–1990) beleuchtet.
Website: www.blackbox-heimerziehung.de
Instagram: @ddr_heimerziehung_aufarbeiten
Einweisungsgrund: Herumtreiberei
Die Wanderausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Gedenkstätte GJWH Torgau und des Vereins Riebeckstraße 63 e.V. Im Fokus steht die Umerziehung in den Geschlossenen Venerologischen Stationen, in denen systematisch sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde. Betroffen waren vor allem Mädchen und Frauen, deren Verhalten von den sozialistischen Idealen der Arbeitsdisziplin, des partnerschaftlichen Zusammenlebens oder der Staatstreue abwich. Ein Schwerpunkt liegt auf der
Geschichte der Geschlossenen Venerologischen Station in Rostock (1955–1979).
Website: www.einweisungsgrund-herumtreiberei.de
Instagram: @einweisungsgrundherumtreiberei
15.07. | 17 Uhr Ausstellungseröffnung
Den Auftakt bildet die feierliche Ausstellungseröffnung am Dienstag, 15. Juli 2025, um 17 Uhr in der DuG Rostock. Grußworte und Beiträge geben Einblicke in die Anliegen der Aufarbeitung und führen in die Ausstellungen ein. Anschließend finden Rundgänge durch die Ausstellungen statt.
Programm
Beiträge von Cathleen Mendle-Annuschkewitz (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rostock)
Dr. Steffi Brüning (Leiterin der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock)
Dr. Lars Tschirschwitz (Stellv. Landesbeauftragter für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur)
Anschließend Ausstellungsrundgänge mit Hannes Schneider (Gedenkstätte GJWH Torgau)
Ab 15.07 | Veranstaltungsreihe „Ich will nicht hinter Gittern leben“
Begleitend zur Rostocker Station findet eine Veranstaltungsreihe mit Gesprächen, Filmvorführung, Beratungsangeboten und einem Workshop statt.
- 22.07. | 18 Uhr Betroffenengespräch (DuG) – Gespräch mit zwei Betroffenen der repressiven DDR-Heimerziehung bzw. Venerologischen Stationen. Begrüßung: Burkhard Bley. Moderation: Juliane Weiß.
- 29.07. | 19 Uhr Film & Gespräch – „Trauma ‚Tripperburg‘ – Gewalt gegen Frauen in der DDR“ (Dokumentarfilm, 2023) mit anschließendem Gespräch. Ort: Lichtspieltheater Wundervoll, Frieda 23, 18057 Rostock.
- 05.08. | 13–17 Uhr Beratungsnachmittag für Betroffene (DuG) – mit Mareen Joachim und dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Anmeldung: post@lamv.mv-regierung.de
- 12.08. | 16–17:30 Uhr Erzählcafé – für betroffene Frauen der Geschlossenen Venerologischen Stationen (auch Angehörige und Interessierte willkommen). Ort: Rathaus-Anbau, Beratungsraum 1a.
- 12.08. | 18 Uhr Vortrag – „Die Geschlossene Venerologische Station in Rostock“ (Dr. Steffi Brüning) mit anschließendem Rundgang. Anmeldung: gleichstellungsbeauftragte@rostock.de Ort: Rathaus Rostock.
- 14.08. | 16:30 Uhr Online-Workshop – „Disziplinierung und sexualisierte Gewalt in DDR-Umerziehungseinrichtungen – Strukturen, Erfahrungen und Verantwortung bis heute“. Anmeldung: info@einweisungsgrund-herumtreiberei.de
Geschichte
Durchgangsheim Rostock-Bramow
Das Durchgangsheim wird um 1951 in der Carl-Hopp-Straße 4 in Rostock-Bramow neben einem Hilfsschulheim eröffnet. Obwohl es nur acht Plätze hat, ist es in den 1960er Jahren zeitweise mit 35 Mädchen und Jungen belegt. Jährlich durchlaufen bis zu 190 Minderjährige das Heim.
Die Schlafräume im Heim bleiben nachts verschlossen. Einen Notruf gibt es nicht. Auch tagsüber ist stundenweise kein Personal vor Ort, sodass die Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit ohne Aufsicht eingeschlossen sind. Prügelstrafen und andere ehrverletzende Strafen sind für die 1960er Jahre belegt.
Ende der 1980er Jahre wird das Durchgangsheim wahrscheinlich nach Rostock-Schmarl verlegt. Das Gebäude in der Carl-Hopp-Straße existiert heute nicht mehr.
Rostock Transit Home
The transit home opens around 1951 at 4 Carl-Hopp-Straße in Rostock-Bramow, next to an auxiliary school home. Although it only has eight places, in the 1960s it is temporarily occupied by 35 girls and boys. Up to 190 minors pass through the transit home every year.
The dormitories remain locked at night. There is no emergency call system. During the day, staff would be absent for hours at a time, leaving the minors locked in without supervision. Beatings and dishonouring punishments are documented from the 1960s.
By the end of the 1980s, the transit centre probably moves to Rostock-Schmarl. The building in Carl-Hopp-Straße no longer exists today.
Das Normalkinderheim „Egon Schultz“ in Rostock-Lichtenhagen
Das Kinderheim „Egon Schultz“ ist ein staatliches Normalkinderheim in Rostock-Lichtenhagen. Dort werden Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 18 Jahren eingewiesen, etwa weil sie elternlos sind oder aus Sicht der Jugendhilfe als gefährdet gelten. Über Normalkinderheime ist bislang insgesamt wenig geforscht; auch zu dieser Einrichtung liegen bisher nur wenige Informationen vor.
Am 23. März 1981 wird die erste Bewohnerin aufgenommen. Der Vorschulteil wächst rasch, und die Belegung des gesamten Heims steigt auf rund 140 Kinder und Jugendliche. Der Tagesablauf ist streng reglementiert; auf Ordnung und Sauberkeit wird großer Wert gelegt. Das pädagogische Personal arbeitet in zwei Schichten, nachts betreuen zwei Nachtwachen die Kinder. Politisch-ideologische Erziehung und Kollektiverziehung spielen im Heimalltag eine zentrale Rolle.
Nach 1990 folgt eine Phase der Neuorientierung. Im Oktober 1992 übernimmt der ASB Landesverband Mecklenburg-Vorpommern die Einrichtung, später wird sie in dezentrale Wohngruppen umstrukturiert und das Angebot erweitert.
Vom 26. August bis zum 11. September 2025 ist die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Rühn auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Rühn zu sehen. Am historischen Ort des Jugendwerkhofs „Neues Leben“ (später: „Willy Schröder“) setzt das mobile Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau einen Impuls für die lokale Auseinandersetzung mit der repressiven Heimerziehung in der DDR. Die Präsentation erfolgt in Kooperation mit dem Klosterverein Rühn e.V.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 26. August – 11. September 2025
Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr
Ausstellungsort: Klosterverein Rühn e.V., Klosterhof 1, 18246 Rühn
Der Eintritt ist frei.
Geschichte
Jugendwerkhof Rühn
Der Jugendwerkhof „Neues Leben“ (später: „Willy Schröder“) wird am 1. März 1950 im ehemaligen Kloster Rühn eingerichtet. In den 1960er Jahren entwickelt sich die Einrichtung zu einem Jugendwerkhof mit rund 130 Plätzen sowie Außenstellen in Eickelberg, Bandow, Tarnow und Malchow. Im Mai 1962 wird dem Jugendwerkhof zudem ein „Durchgangsheim“ angeschlossen.
Missstände und Machtmissbrauch prägen den Alltag im Jugendwerkhof. Schwerstarbeit, fehlende Ausbildungsnachweise trotz mehrjähriger Aufenthalte und das Unterschlagen von Taschengeld sind belegt. 1960 stehen drei Erzieher wegen Körperverletzung und sexueller Übergriffe vor Gericht. 1990 wird der Jugendwerkhof aufgelöst. Heute gehört der Gebäudekomplex dem Klosterverein Rühn e.V.
Digitales Begleitmaterial:
Digitales Zeitzeugenporträt über Marno, der als junger Mensch im Jugendwerkhof Rühn untergebracht war. Die Videos geben Einblicke in persönliche Erfahrungen und das Leben im Heim.
Marno #1 – Der Grübler
Marno ist eigentlich ein hochbegabtes Kind – doch seine Lehrer erkennen in seiner Unruhe nicht Neugierde, sondern stempeln ihn stattdessen früh als „Zappelphilipp“ ab. Zu Hause haben die beiden berufstätigen Eltern nur wenig Zeit für ihn, fordern
ihm aber gleichzeitig viel ab. Mit Verhaltensauffälligkeiten versucht er, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen – ohne Erfolg. Dafür wird jetzt das Referat Jugendhilfe auf ihn aufmerksam…
Marno #2 – Das Abenteuer
Das Referat Jugendhilfe ordnet eine ärztliche Untersuchung für Marno an. In deren Zuge wird ihm ein frühkindlicher Hirnschaden infolge von Sauerstoffmangel attestiert. Marno gilt von nun an als verhaltensgestört. Es erfolgt seine Einweisung in das Spezialkinderheim „Waldfrieden“ bei Loitsche. Der siebenjährige Marno hofft auf ein großes Abenteuer. Doch das Heim etabliert vom ersten Tag an einen rigorosen Drill. Er fängt an, auszubrechen. Wäre da nicht dieser unheimliche Wald…
Marno #3 – Tropfen und Pillen
Als Reaktion auf seine Fluchtversuche beschließt das Personal aus dem Spezialkinderheim „Waldfrieden“ Marnos Therapierung mit starken Medikamenten. Sie lassen Marno träge werden, beeinträchtigen sein Konzentrationsvermögen. Seinen Eltern darf er davon nichts erzählen. Was im Heimalltag passiert, darf nicht nach außen getragen werden.
Marno #4 – Die Therapie
Im Alter von elf Jahren kommt Marno ins Sonderheim Werftpfuhl, ein Heim für Psychodiagnostik und pädagogisch-psychologische Therapie. Doch der Titel hält nicht, was er verspricht. Dem Personal fehlt es an dem nötigen Fachwissen, die Kinder bekommen keine therapeutische Förderung. Auch ist der Heimalltag in Werftpfuhl um einiges rigider als in Loitsche. Marno ist einmal mehr Einzelgänger, kann sich niemanden anvertrauen, unternimmt wieder Fluchtversuche. Aber wohin soll er nur gehen?
Marno #5 – Fische im Mund
Marno kommt ins Spezialkinderheim Borgsdorf, Kreis Oranienburg. Er wird fast die nächsten drei Jahre in dem Heim verbringen. Dort trifft er zum ersten Mal auf einen Psychologen, dem er scheinbar vertrauen kann und der ihm helfen will. Der Versuch geht jedoch nach hinten los.
Auch seine Eltern zeigen sich enttäuscht von ihm, äußern kaum mehr das Bedürfnis, ihn zu sehen. Doch auch Marno verliert aufgrund der schwierigen Situation zunehmend sein Vertrauen in sie.
Marno #6 – Die Puppe
Mit 14 Jahren wird Marno in den Jugendwerkhof „Neues Leben“ in Rühn eingewiesen. Hier erreichen physische und psychische Gewalt eine neue Stufe. Ohne Rücksicht muss Marno knochenharte Feldarbeit verrichten.
Neben einem sadistischen Erzieher sind es insbesondere die Bestrafungen der Jugendlichen durch das Heimkollektiv, die Marno verstören.
Wo ist er hier nur gelandet?
Marno #7 – In Torgau
Marno wird Entweichung, Kircheneinbruch und Diebstahl vorgeworfen. Zur Strafe erfolgt seine Einweisung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau.
Schon beim bloßen Anblick ist Marno von dem großen Gefängnistor, den Gittern vor den Fenstern und den hohen Mauern eingeschüchtert. In seiner Arrestzelle vernimmt er für den Ort ungewöhnliche Geräusche…
Marno #8 – Handabdrücke
Der Aufenthalt in Torgau setzt Marno zunehmend zu. Nie hätte er sich gedacht, dass ein Heim das bisher Erlebte übertreffen könnte. Aber Torgau ist genau dieser Ort.
Als Asthmatiker hat er Probleme, bei dem vielen Sport mitzuhalten, der in Torgau praktiziert wird. Sich mit jemanden zu solidarisieren, Freundschaft zu schließen, ist nicht. Hier ist ein jeder auf sich allein gestellt.
Marno #9 – Nicht mehr können
Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kommt Marno wieder in den Jugendwerkhof zurück. Weil er auch von dort mehrmals entweicht, wird seine erneute Einweisung nach Torgau beschlossen.
Kurz vor seinem Transport trifft Marno einen tiefgreifenden Entschluss…
Marno #10 – Urteil
Nach seinem Suizidversuch wird Marno mit 17 Jahren aus der Heimerziehung entlassen.
Nach all den Jahren zieht er wieder bei seinen Eltern ein, aber es funktioniert nicht. Die Distanz zwischen ihm und seiner Familie ist zu groß geworden. Dann lernt er die falschen „Freunde“ kennen, fängt an, regelmäßig das Gesetz zu brechen. Als er scheinbar nicht mehr tiefer fallen kann, erreicht ihn eine unverhoffte Entscheidung.
Marno #11 – Vater und Sohn
Heute lebt Marno gesetzestreu, interessiert sich noch immer für Aquaristik, hat einen kleinen Laden, in dem ihm auch sein Sohn zur Hand geht.
Der alleinerziehende Vater versucht in Sachen Erziehung sein Bestes, doch oft holt ihn seine Heimvergangenheit ein.
Vom 13. bis 15. Mai 2025 war die mobile Ausstellung BLACKBOX HEIMERZIEHUNG im Rahmen des 18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags (DJHT) auf dem Neuen Messegelände in Leipzig zu sehen. Als besonderer Standort richtete sich die Ausstellung hier vor allem an Fachpublikum aus Jugendhilfe, Bildung, Politik und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig bot die Präsentation auch Besucher:innen die Möglichkeit, sich am mobilen Denkzeichen mit der Geschichte repressiver Heimerziehung auseinander-zusetzen. Die Präsentation erfolgte in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und wurde durch die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) unterstützt.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 13. bis 15. Mai 2025
Öffnungszeiten:
13. und 14. Mai 2025: 10:00 bis 19:00 Uhr
15. Mai 2025: 10:00 bis 17:00 Uhr
Ausstellungsort: Neues Messegelände Leipzig
Der Eintritt ist frei.
13.05.–15.05. | BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Leipzig DJHT (18. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag)
Vom 13. bis 15. Mai 2025 war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Leipzig auf dem Neuen Messegelände Leipzig im Rahmen des
18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags zu sehen. Während der drei Veranstaltungstage stand die Ausstellung als mobiler Lern- und Erinnerungsort für Gespräche, Fragen und Austausch zur Verfügung. Die Besucher:innen der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG konnten mit dem Team der Gedenkstätte und Zeitzeug:innen (14. & 15.05.) ins Gespräch kommen und sich mit der Geschichte
repressiver Heimerziehung in der DDR auseinandersetzen.
Vom 15. Oktober bis zum 11. November 2024 war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar zu sehen. Die Präsentation erfolgte in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar (DNT) anlässlich des 35. Jahrestages der Friedlichen Revolutionund ergänzte die künstlerische Auseinandersetzung DNT mit dem Thema repressive DDR-Heimerziehung.
Auf die Arbeit der Gedenkstätte wurde das DNT im Zuge der Recherche für die Produktion „Jenseits der Blauen Grenze“ aufmerksam. Die Inszenierung basiert auf dem Jugendroman von Dorit Linke. Auch in Thomas Freyers Stück „dumme Jahre“ spielt das Thema eine zentrale Rolle: Eine Figur verarbeitet traumatische Erfahrungen aus Durchgangs- und Spezialkinderheimen – und macht sichtbar, wie tief diese Erlebnisse nachwirken.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 15. Oktober – 11. November 2024
Öffnungszeiten: Freitag bis Dienstag sowie an Feiertagen, 13–18 Uhr
Standort: Stéphane-Hessel-Platz, 99423 Weimar
Der Eintritt ist frei.
02.11.–13.11. | Theaterprogramm in Begleitung der »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG«
Im Zeitraum vom 2. bis 13. November 2024 begleitet die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« das Theaterprogramm des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Im Zentrum stehen die Produktionen »dumme Jahre« von Thomas Freyer und »Jenseits der Blauen Grenze« nach dem Jugendroman von Dorit Linke. Die Aufführungen und begleitenden Formate greifen das Thema repressive DDR-Heimerziehung auf und schaffen Räume für Austausch und Reflexion.
02.11. / 19:30 Uhr – Vorstellung »dumme Jahre« – Im Anschluss Nachgespräch zum Thema „Repressive DDR-Heimerziehung“ mit Zeitzeug:innen
05.11. / 19:00 Uhr – Wiederaufnahme »Jenseits der Blauen Grenze«
06.11. / 10:00 Uhr – Vorstellung »Jenseits der Blauen Grenze«
13.11. / 10:00 Uhr – Vorstellung »Jenseits der Blauen Grenze«
Geschichte
Im Raum Thüringen existieren vor 1961 insgesamt sechs Jugendwerkhöfe, nach dem Mauerbau steigt ihre Zahl auf neun an. 1989 gibt es in der DDR 32 Jugendwerkhöfe, davon sieben im Raum Thüringen. Hinzu kommen über 100 Normalheime und Spezialkinderheime sowie mindestens drei Durchgangsheime in den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Auch in Kraftsdorf und in Eisenach vermutet man Durchgangsheime. Die Aufarbeitung steht vielerorts noch am Anfang.
Durchgangsheim Erfurt
1963 wird in Erfurt in der Winzergasse 21 ein Durchgangsheim eingerichtet. In den Durchgangsheimen der DDR werden Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren untergebracht, bis über ihren weiteren Lebensweg entschieden wird. Darunter befinden sich Minderjährige, die von zu Hause weggelaufen oder aus einem Heim geflohen sind, die aufgrund einer Gefährdungssituation nicht länger im Elternhaus verbleiben können oder für die ein Heimaufenthalt bereits beschlossen wurde, aber noch kein Heimplatz zur Verfügung steht.
Unhaltbare Zustände im Durchgangsheim Erfurt
1973/1974 findet im Bezirk Erfurt eine großangelegte Kontrolle aller 32 Kinder- und Jugendheime durch die Arbeiter- und Bauerninspektion statt, da es sich
„um einen Abschnitt unserer gesellschaftlichen Entwicklung handelt, der zurückgeblieben ist und in politischer, ideologischer, sozialer, pädagogischer, kultureller und materieller Hinsicht einen Nachholebedarf aufweist.“
Dabei werden auch teils gravierende Mängel im Durchgangsheim Erfurt erfasst, wie Zitate aus dem Kontrollbericht belegen:
„Bei dem Heim handelt es sich um eine geschlossene Einrichtung mit vergitterten Fenstern und ständig verschlossenen Haus- und Zimmertüren.“
„Die Isolierzimmer haben als Lichtquelle mit Glasziegeln vermauerte Fenster, so daß eine direkte Belüftung nicht möglich ist.“
„Bei Ausbruch eines Brandes gibt es keine Möglichkeit, die Kinder schnellstens und gefahrlos aus der Einrichtung zu bringen.“
Weitere Passagen des Berichts charakterisieren unhaltbare Zustände, zum Beispiel die Aufenthaltsdauer von mehreren Monaten und der dadurch bedingte völlig unzureichende Schulunterricht. Mangelhafte gesundheitliche Versorgung, schlechte Ernährung aufgrund unqualifizierter Küchenkräfte und der achtlose Umgang mit dem Eigentum der Eingewiesenen sind weitere Kritikpunkte:
„in mind. 75 Fällen [ist] die Abgabe und in weiteren 20 Fällen die Rückgabe persönlicher Gegenstände und Mittel der Heimkinder nicht quittiert worden. Dabei handelt es sich u.a. um 2 Sparbücher, Bargeld, 3 Radios, 8 Uhren, Schmuck u.a.“
„Am 29.01.1973 kam es zu einem Massenausbruch von 15 Jugendlichen. Auf Grund dieses Vorkommnisses wurden durch die Volkspolizei entsprechende Sicherungsmaßnahmen vorgeschlagen und angeregt.“
Die Erziehungsmethoden und die geschlossene Unterbringung im Durchgangsheim Erfurt wird von Arbeiter- und Bauerinspektion hingegen nicht in Frage gestellt.
HEIM-STADT Erfurt
Telefonbücher aus den 1950er und 1960er Jahren weisen eine Fülle an Kinderheimen in Erfurt aus. Der Zeit entsprechend waren es vor allem Waisenheime, die sich zum großen Teil in Trägerschaft der beiden christlichen Kirchen befanden. 1947 und 1948 werden ein katholisches Waisenhaus in der Regierungsstraße 44 und ein Evangelisches Waisenhaus in der Comthurgasse 8 genannt. Hinzukommen Mädchenheime, ein Mütter- und Kinderheim und ein Säuglingsheim.
Ein weiteres Kinderheim findet sich unter der Adresse Cyriaksburg. Das Telefonbuch von 1954 weist noch elf konfessionelle Heime aus. Hinzu kommen fünf städtische Heime. Darunter befindet sich auch ein Kinderheim in der Winzerstraße 21. Unter dieser Adresse wurde später das Durchgangsheim des Rates des Bezirkes Erfurt eingerichtet. Die gleichen städtischen Heime finden sich auch 1961, hinzu gekommen sind ein Kinderwochenheim und drei Wochenkrippen.
Quellen
Vom 18. Juni bis zum 8. September 2024 war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG Marienborn auf dem Gelände der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn zu sehen. In Kooperation mit der Gedenkstätte informierte das mobile Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau am historischen Ort des ehemaligen größten DDR-Grenzübergangs über die Geschichte der repressiven Heimerziehung in der DDR.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 18.06.–08.09.2024
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr
Ausstellungsort: Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Autobahn 2, 39365 Harbke
Der Eintritt ist frei.
08.09. | 15 Uhr Finissage (Tag des offenen Denkmals)
Am 8. September 2024 endete die Station Marienborn mit einer Abschlussveranstaltung am Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte“. Um 15 Uhr fand ein Zeitzeuginnengespräch mit einer Betroffenen der repressiven DDR-Heimerziehung statt.
Moderation: Manuela Rummel (Gedenkstätte GJWH Torgau)
Ort: Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Hauptgebäude (Besucherzentrum), 1. OG, Autobahn 2, 39365 Harbke
Programm
- 10:30 Uhr Vortrag „Kontrolle, Befestigung, Representation: Der Bau der Grenzübergangsstelle Marienborn“ Dr. Felix Ludwig
- 11:00 Uhr Sonderführung durch die Tunnel
- 13:00–17:00 Uhr Exklusive Einblicke in die Trafo-Station der ehemaligen GÜSt Marienborn
- 14:15 Uhr Führung zu historischen Militärfahrzeugen
- 15:00 Uhr Finissage BLACKBOX HEIMERZIEHUNG: Zeitzeuginnengespräch
- 16:15 Uhr Sonderführung durch die Tunnel
Hinweis: Während der Standzeit verzeichnete die Ausstellung am Standort Marienborn bereits 19.260 Besucher:innen und damit einen Besucherrekord.
Geschichte
Jugendwerkhof Burg
Der Jugendwerkhof „August-Bebel“ in Burg in Sachsen-Anhalt wurde 1949 in einer ehemaligen Landeserziehungsanstalt auf dem Gut Lüben eingerichtet. Mit 360 Insassen, etwa ein Drittel Jungen und zwei Drittel Mädchen, entwickelte er sich zum größten Jugendwerkhof der DDR – die Einrichtung war ein Massenbetrieb. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde sie verkleinert.
Auffällig an dem Jugendwerkhof ist die große Zahl der Jugendlichen, die einen Fluchtversuch unternahmen. So versuchten 211 Jugendliche im Jahre 1962 zu entkommen. Ende der 1970er Jahre dauerte der Aufenthalt in dem Heim für die meisten Jugendlichen bis zu einem Jahr. Es gab aber auch etliche Jugendliche, die drei und mehr Jahre in dem Jugendwerkhof verbringen mussten – manche bis zu sieben Jahren und länger.
Viele Jugendliche arbeiteten als billige, dringend benötigte Arbeitskräfte in den Betrieben der Umgebung, beispielsweise in dem VEB Knäcke-Werke Burg. Wie überall in den Jugendwerkhöfen erhielten die Jugendlichen nur Teilausbildungen, die Jungen beispielsweise in der Schuhfabrik „Roter Stern“ in Burg, die Mädchen zum Beispiel im Werk Burg des VEB Volltuchwerke Crimmitschau. Mit diesen Teilausbildungen waren die Jugendlichen kaum für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Ein interner Bericht kritisierte 1981 zudem die schlechte Qualität der Berufsausbildung in zwei Betrieben, weil die Jugendlichen vor allem zu Hilfsarbeiten eingesetzt würden.
Nach dem ersten Standort in Dresden im Rahmen der Jugendgeschichtstage war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG vom
28. November bis zum 7. Dezember 2023 auf dem Gelände des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sehen. Dort eröffnete am 28. November 2023 die Sächsische Staatsministerin Petra Köpping die Ausstellung mit einem Grußwort.
Bis zum 7. Dezember 2023 erinnerte die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG an die Geschichte des Dresdner Durchgangsheims, das nach mehreren Umzügen bis 1987 in der Togliattistraße 30 (heute Glacisstraße) untergebracht war.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 28. November bis 7. Dezember 2023
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10 bis 16 Uhr
Ausstellungsort: Gelände des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Albertstraße 10, 01097 Dresden (Zugang zur Ausstellung über die Erich-Ponto-Straße)
Der Eintritt ist frei.
28.11. | 14:30 Uhr Eröffnungsveranstaltung
Ort: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Albertstraße 10, 01097 Dresden
Programm
- Grußwort der Staatsministerin Petra Köpping, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Grußwort der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau / Vorstellung des Projektes BLACKBOX HEIMERZIEHUNG
- Moderiertes Zeitzeugengespräch
Anschließend Rundgang und Zeit für einen persönlichen Austausch.
Geschichte
Durchgangsheim Dresden
Am Steinberg 5 in Dresden-Wachwitz wird 1951 ein Durchgangsheim eröffnet. Im Laufe der Jahre zieht es mehrfach um, 1963 in die Döbelner Straße 54 und 1977
in die Togliattistraße 30 (heute Glacisstraße) mitten in die Dresdener Innenstadt. Das Durchgangsheim bietet
etwa 30 Plätze für minderjährige Mädchen und Jungen.
Aufgrund strenger Vorschriften sind Durchgangsheime gefängnisähnliche Einrichtungen und eine Unterbringung bedeutet immer einen Freiheitsentzug.
Im Durchgangsheim Dresden sind die Räume nachts verschlossen und die Fenster vergittert. Es gibt Arrestzellen und eine Signalanlage, die mit der nächsten Polizeistation verbunden ist. Gewaltanwendungen, Suizid- und Fluchtversuche sind dokumentiert.
Im Jahr 1987 wird das Durchgangsheim Dresden im Zuge einer Neuorganisation aller DDR-Durchgangsheime geschlossen.
Durchgangsheime in der DDR
In Durchgangsheimen sind Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren vorübergehend untergebracht, bis über ihren weiteren Lebensweg entschieden wird. Darunter befinden sich Minderjährige, die von zu Hause weggelaufen oder aus einem Heim geflohen sind, die aufgrund einer Gefährdungssituation nicht länger im Elternhaus verbleiben können oder für die ein Heimaufenthalt bereits beschlossen wurde, aber noch kein Heimplatz zur Verfügung steht. Eine vorläufige Unterbringung von bis zu 18 Tagen ist vorgesehen. In der Praxis dauert der Aufenthalt jedoch oft mehrere Monate.
Bilder Durchgangsheim Dresden
English Version
Dresden transit home
Transit homes were part of the GDR’s system of special homes and were usually prison-like facilities to accommodate children and juveniles temporarily.
In 1951, a transit home was established at Am Steinberg 5 in Dresden-Wachwitz. Over the years, it changed addresses several times, moving to Döbelner Strasse 54 in 1963 and to Togliattistrasse 30 (today’s Glacisstrasse), in Dresden’s city centre, in 1977. The transit home provided space for 30 juvenile girls and boys.
Due to the strict security regulations, transit homes were similar to prisons and always meant depriving the children of their freedom. At the Dresden transit home, rooms were locked at night and the windows were barred. There was an arrest cell and a signal system connected to the nearest police station. Documents show evidence of violence, as well as attempted suicides and escapes. In 1987, the Dresden transit home was closed during the reorganisation of all GDR transit homes.
Transit homes
Children and juveniles aged 3 to 18 were accommodated in the GDR’s transit homes until a decision was made about their futures. They included minors who had run away from home because it was too dangerous for them to remain with their parents. Others were due to be housed in more permanent homes, but were still waiting to be allocated a place. Due to the strict security regulations, transit homes were similar to prisons and always meant depriving the children of their freedom. After their official closure in 1987, some facilities continued to operate as transit facilities.
Vom 23. bis 24. November 2023 gastierte die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Dresden im Rahmen der Jugendgeschichtstage auf dem Vorplatz des Sächsischen Landtags. Anschließend zog die Ausstellung an ihren zweiten Dresdner Standort auf das Gelände des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In der sächsischen Hauptstadt erinnert die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG an die Geschichte des Dresdner Durchgangsheims, das nach mehreren Umzügen bis 1987 in der Togliattistraße 30 (heute Glacisstraße) untergebracht war.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 23. bis 24. November 2023
Öffnungszeiten: 11.30 bis 16 Uhr
Ausstellungsort: Vorplatz Sächsischer Landtag, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden
Der Eintritt ist frei.
Geschichte
Durchgangsheim Dresden
Am Steinberg 5 in Dresden-Wachwitz wird 1951 ein Durchgangsheim eröffnet. Im Laufe der Jahre zieht es mehrfach um, 1963 in die Döbelner Straße 54 und 1977
in die Togliattistraße 30 (heute Glacisstraße) mitten in die Dresdener Innenstadt. Das Durchgangsheim bietet
etwa 30 Plätze für minderjährige Mädchen und Jungen.
Aufgrund strenger Vorschriften sind Durchgangsheime gefängnisähnliche Einrichtungen und eine Unterbringung bedeutet immer einen Freiheitsentzug.
Im Durchgangsheim Dresden sind die Räume nachts verschlossen und die Fenster vergittert. Es gibt Arrestzellen und eine Signalanlage, die mit der nächsten Polizeistation verbunden ist. Gewaltanwendungen, Suizid- und Fluchtversuche sind dokumentiert.
Im Jahr 1987 wird das Durchgangsheim Dresden im Zuge einer Neuorganisation aller DDR-Durchgangsheime geschlossen.
Durchgangsheime in der DDR
In Durchgangsheimen sind Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren vorübergehend untergebracht, bis über ihren weiteren Lebensweg entschieden wird. Darunter befinden sich Minderjährige, die von zu Hause weggelaufen oder aus einem Heim geflohen sind, die aufgrund einer Gefährdungssituation nicht länger im Elternhaus verbleiben können oder für die ein Heimaufenthalt bereits beschlossen wurde, aber noch kein Heimplatz zur Verfügung steht. Eine vorläufige Unterbringung von bis zu 18 Tagen ist vorgesehen. In der Praxis dauert der Aufenthalt jedoch oft mehrere Monate.
Bilder Durchgangsheim Dresden
English Version
Dresden transit home
Transit homes were part of the GDR’s system of special homes and were usually prison-like facilities to accommodate children and juveniles temporarily.
In 1951, a transit home was established at Am Steinberg 5 in Dresden-Wachwitz. Over the years, it changed addresses several times, moving to Döbelner Strasse 54 in 1963 and to Togliattistrasse 30 (today’s Glacisstrasse), in Dresden’s city centre, in 1977. The transit home provided space for 30 juvenile girls and boys.
Due to the strict security regulations, transit homes were similar to prisons and always meant depriving the children of their freedom. At the Dresden transit home, rooms were locked at night and the windows were barred. There was an arrest cell and a signal system connected to the nearest police station. Documents show evidence of violence, as well as attempted suicides and escapes. In 1987, the Dresden transit home was closed during the reorganisation of all GDR transit homes.
Transit homes
Children and juveniles aged 3 to 18 were accommodated in the GDR’s transit homes until a decision was made about their futures. They included minors who had run away from home because it was too dangerous for them to remain with their parents. Others were due to be housed in more permanent homes, but were still waiting to be allocated a place. Due to the strict security regulations, transit homes were similar to prisons and always meant depriving the children of their freedom. After their official closure in 1987, some facilities continued to operate as transit facilities.
Vom 16. Oktober bis zum 14. November 2023 war die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig zu sehen. Als mobiles Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau klärte die Ausstellung über die Geschichte des repressiven DDR-Heimsystems auf und erinnerte an die Schicksale ehemaliger DDR-Heimkinder.
In Leipzig thematisierte die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG außerdem die Geschichte des Durchgangsheims Leipzig, das ursprünglich in der Neudorfgasse 1 bestand und 1982 in die Torgauer Straße 351 (Leipzig-Heiterblick) verlegt wurde.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 16. Oktober – 14. November 2023
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 11 bis 16 Uhr
Ausstellungsort: Nikolaikirchhof, 04109 Leipzig
Führungen nach Voranmeldung unter: bildung@jugendwerkhof-torgau.de
Der Eintritt ist frei.
19.10. | 16 Uhr Eröffnungsveranstaltung
Die Eröffnungsveranstaltung fand am 19. Oktober 2023 um 16 Uhr im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig | Haus: Altes Rathaus (Grüner Salon, 2. OG) statt und wurde von einem Zeitzeugengespräch begleitet.
Ort: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig | Haus: Altes Rathaus, Grüner Salon (2. OG), Markt 1, 04109 Leipzig
Programm
- Grußwort Vertreter/in Stadt Leipzig
- Einführung und Präsentation der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG, Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
- Moderiertes Zeitzeugengespräch
- Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG und persönlicher Austausch
Weitere Veranstaltungen sind in Planung. Alle Informationen finden Sie unter www.blackbox-heimerziehung.de.
Geschichte
Durchgangsheim Leipzig
Das Durchgangsheim wird im August 1982 in ein neu errichtetes Gebäude in der Torgauer Straße 351 nach Leipzig-Heiterblick verlegt und bleibt dort bis zu seiner Auflösung Ende 1986.
Durchgangsheime in der DDR
Bilder Durchgangsheime in Leipzig
Quellen
Anordnung über die Isolierung von Minderjährigen
Registrierung des Durchgangsheimes Leipzig nach 1951
English Version
Leipzig transit home
Transit homes were part of the GDR’s system of special homes and were usually prison-like facilities to accommodate children and juveniles temporarily. In 1951, a transit home with 34 places for boys and girls aged 10 to 18 was established in Neudorfgasse 1, Leipzig. The home changed locations several times due to overcrowding. For a time, it was situated in Braustrasse (where in 1953, 2,178 juveniles passed through the facility, with up to 60 new arrivals a day) and also in Windorfer Strasse, before returning to Neudorfgasse in 1959. Sometimes, there were 60 new arrivals a day. Although the planned period of stay was not meant to last more than a few days, a number of juveniles were kept there for several months. Some had to work on building sites, while school education was virtually non-existent. Minor offences were punished with several days’ detention. The home was poorly equipped. At night, the staff locked the dormitories, forcing the juveniles to use a bucket if they needed to go to the toilet. In August 1982, the transit home was moved to a newly constructed building in Torgauer Strasse 351, Leipzig-Heiterblick and remained there until its closure in late 1986.
Transit homes
Children and juveniles aged 3 to 18 were accommodated in the GDR’s transit homes until a decision was made about their futures. They included minors who had run away from home because it was too dangerous for them to remain with their parents. Others were due to be housed in more permanent homes, but were still waiting to be allocated a place. Due to the strict security regulations, transit homes were similar to prisons and always meant depriving the children of their freedom. After their official closure in 1987, some facilities continued to operate as transit facilities.
Vom 27. Mai bis zum 16. Juli 2023 war die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« in Burg (bei Magdeburg) auf dem Rolandplatz zu sehen. Am Ort des größten Jugendwerkhofs der DDR machte die Ausstellung die Geschichte der repressiven DDR-Heimerziehung sichtbar und erinnerte an die Schicksale ehemaliger Heimkinder. In Kooperation mit dem Cornelius-Werk Diakonische Hilfen gGmbH, der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stadt Burg setzte die Station einen Impuls für die Auseinandersetzung mit der Heimgeschichte vor Ort. Im Mittelpunkt stand dabei der Jugendwerkhof „August Bebel“.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 27. Mai – 16. Juli 2023
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr
Ausstellungsort: Rolandplatz, 39288 Burg (Sachsen-Anhalt)
Der Eintritt ist frei.
27.05. | 16 Uhr Eröffnungsveranstaltung
Die Eröffnungsveranstaltung fand auf dem Rolandplatz in Burg statt. Begleitet wurde sie von Grußworten des Bürgermeisters Philipp Stark und der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt Birgit Neumann-Becker.
Programm
- Grußwort Phillipp Stark (Bürgermeister der Stadt Burg b. Magdeburg)
- Grußwort Birgit Neumann-Becker (Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt)
- Zur Geschichte des Jugendwerkhofs „August Bebel“, Dr. Steffen Meyer (Dachstiftung Diakonie) / Stefan Böhme (Geschäftsführung Cornelius-Werk Jugendhilfe)
- Zum Projekt „Blackbox Heimerziehung“, Dr. Christian Gaubert (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau)
Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und zur Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG.
05.07. | 17:30 Uhr Filmvorführung „Sabine Wulff“
In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte und der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur präsentierte das Burg Theater den DEFA-Film „Sabine Wulff“. Die Filmvorführung fand am 5. Juli 2023 um 17:30 Uhr im KINO BURG THEATER (Magdeburger Str. 4, 39288 Burg) statt. Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum Gespräch sowie zur Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG.

Zum Film – SABINE WULFF
Regie: Erwin Stranka, 91 Min., Farbe, Spielfilm, DDR, DEFA-Studio für Spielfilme, 1978.
Sabine Wulff (gespielt von Karin Düwel), die von ihrem Freund zum Zigarettendiebstahl angestiftet wurde, wird 18-jährig aus dem Jugendwerkhof entlassen. Zu ihren Eltern möchte sie nicht zurück. Sie sucht sich eine Wohnung und nimmt eine Arbeit in der Schuhfabrik auf. Ihren Freund Jimmy (Manfred Ernst) liebt sie noch immer. Der Film fragt nach den Schwierigkeiten bei der Eingliederung einer jungen Frau in die DDR-Gesellschaft nach einem 18-monatigen Aufenthalt in einem Jugendwerkhof:
Wie verhalten sich Mitmenschen ihr gegenüber? Erleichtern sie ihr den Neustart oder erschweren sie ihn? Wie verhält sich das Mädchen selbst? Mit welchen Vorurteilen sieht sie sich konfrontiert?





Szenenfotos: Sabine Wulff, Deutsche Demokratische Republik (DDR) 1978. SABINE WULFF © DEFA-Stiftung, Dieter Jaeger.
Link: Trailer auf dem Youtube-Kanal der DEFA-Stiftung
Hintergrund
Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 5. September und 8. Dezember 1977 statt. Gedreht wurde u. a. in Burg bei Magdeburg – im dortigen Jugendwerkhof „August Bebel“ und in der VEB Schuhfabrik „Roter Stern“. Weitere Aufnahmen entstanden in Berlin, Potsdam und Nauen. Premiere feierte die Produktion am 9. November 1978 im Berliner Kino Kosmos.
Link: Zur Website des KINO BURG THEATER | Zur Website der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Geschichte
Jugendwerkhof „August-Bebel“ in Burg
Der Jugendwerkhof „August Bebel“ wurde 1949 in einer ehemaligen Landeserziehungsanstalt auf dem Gut Lüben in Burg eingerichtet. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Einrichtung zum größten Jugendwerkhof der DDR. Zeitweise waren dort bis zu 360 Jugendliche untergebracht – etwa ein Drittel Jungen und zwei Drittel Mädchen. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde der Jugendwerkhof verkleinert.
Auffällig ist die hohe Zahl an Fluchtversuchen: Allein 1962 versuchten 211 Jugendliche zu entkommen. Ende der 1970er Jahre dauerte der Aufenthalt für viele Jugendliche bis zu einem Jahr. Zugleich gab es Jugendliche, die drei Jahre und länger im Jugendwerkhof bleiben mussten – in Einzelfällen sogar bis zu sieben Jahre und darüber hinaus.
Zum Alltag gehörte der Arbeitseinsatz in Betrieben der Umgebung. Jugendliche arbeiteten unter anderem im VEB Knäcke-Werke Burg. Wie in den Jugendwerkhöfen üblich, erhielten sie außerdem nur Teilausbildungen: Jungen waren beispielsweise in der Schuhfabrik „Roter Stern“ eingesetzt, Mädchen unter anderem im Werk Burg des VEB Volltuchwerke Crimmitschau. Ein interner Bericht kritisierte 1981 zudem die Qualität der Ausbildung in zwei Betrieben, weil die Jugendlichen dort vor allem zu Hilfsarbeiten herangezogen wurden.
Vom 6. März bis zum 2. April 2023 war die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« am Fuße der Veste Heldburg (Landkreis Hildburghausen) zu sehen. In Kooperation mit dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte sowie dem Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur setzte das mobile Denkzeichen der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau damit einen Impuls für die lokale Auseinandersetzung mit der repressiven Heimerziehung in der DDR.
Ausstellungsdaten
Zeitraum: 6. März – 2. April 2023
Öffnungszeiten: 10. März – 2. April, jeweils Freitag bis Sonntag von 12 bis 16 Uhr
Ausstellungsort: Parkplatz (Ecke Hildburghäuser Str./Burgstraße) unterhalb der Veste Heldburg
Schulklassen nach Voranmeldung (Bildungsangebote im März).
Der Eintritt ist frei.
06.03. | 17 Uhr Eröffnung der »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG«
Am 6. März 2023 wurde die »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« im Kirchensaal der Veste Heldburg eröffnet. Grußworte sprachen der Bürgermeister der Stadt Heldburg, Christopher Other, sowie der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Peter Wurschi. Anschließend gab Dr. Anke Geier (wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Thüringen) einen historischen Überblick zur Geschichte des Kinderheims auf der Veste Heldburg. Darüber hinaus berichtete Manfred May vom Bürgerkomitee Thüringen berichtete über Erfahrungen von Betroffenen repressiver Erziehungs-methoden und Gewalt im Kinderheim. Stellvertretend vorgetragene Zeugnisse ehemaliger Heimkinder machten sichtbar, wie lange diese Erfahrungen nachwirken und wie schwierig die persönliche Aufarbeitung bis heute sein kann. Ein kleiner Empfang bot abschließend die Möglichkeit für persönlichen Austausch und Gespräche.
Programm
- 17.00 Uhr Grußworte
Christopher Other, Bürgermeister der Stadt Heldburg
Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Historischer Überblick
Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Thüringen - Beitrag mit Stimmen von Betroffenen
Manfred May, Bürgerkomitee Thüringen
Anschließend Austausch, Gespräche und Empfang
Geschichte
Kinderheim / Sonderschulheim auf der Veste Heldburg
Auf der Veste Heldburg wird ab 1954 ein Heim für bis zu 130 Kinder betrieben. Mitte der 1960er Jahre
wird die Heldburg als ein Sonderschulheim mit integrierter Hilfsschule weitergeführt. Nach einem Brand
wird das Heim im April 1982 geschlossen. Heute erinnert die Veste als DENKOrt an die Geschichte der
DDR-Heimerziehung in Thüringen und ermöglicht damit eine Auseinandersetzung mit diesem vielerorts in Ver-
gessenheit geratenen Kapitel lokaler Zeitgeschichte.