Zeitzeugen gesucht

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Zeitzeugen gesucht

Station: Schwerin

Vom 17. Juli bis 14. August war die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Schwerin zu sehen. Die Präsentation erfolgte in Kooperation mit der Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Im Mittelpunkt standen dabei auch die Geschichte des Durchgangsheims am heutigen Franzosenweg 6 sowie des Jugendwerkhofs „Willi Schröder“ in Rühn.

 

Ausstellungsdaten

 

Zeitraum: 17. Juli – 14. August 2023

Standorte: 18. und 19. Juli: Schlachtermarkt, 19055 Schwerin
20. Juli bis 14. August: Am Pfaffenteich (Südufer), 19053 Schwerin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

 

Der Eintritt ist frei.

Eröffnungsveranstaltung: 18.07. | 11 Uhr

Programm:

  • Grußwort Anne Drescher, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Einführung und Präsentation der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG, Dr. Christian Gaubert (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau)

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch und zur Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG.

20.07. | 18 Uhr „Umerziehung in DDR-Spezialheimen“

Programm

  • Grußwort: Anne Drescher, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Projektvorstellung „BLACKBOX HEIMERZIEHUNG“: Dr. Christian Gaubert, Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
  • Impulsvortrag: Umerziehung in DDR-Spezialheimen – Historischer Kontext: Burkhard Bley, stellv. Landesbeauftragter für MV für die Aufarbeitung der SED-Diktatur

Anschließend Gespräch und Erfahrungsaustausch | Besichtigung der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG

Geschichte

DURCHGANGSHEIM
am Schweriner See

In der Villa am heutigen Franzosenweg Nr. 6 wird in den 1950er Jahren zunächst ein Kinderheim eingerichtet, das später in ein Jugendwohnheim umgewandelt wird. Ab den 1960er Jahren beherbergt die Villa zusätzlich eine sogenannte „Durchgangsstation“. Diese gilt formal als eigenständige Einrichtung und verfügt dabei über separate Räumlichkeiten, zu denen unter anderem das vergitterte und zu Isolationszwecken genutzte Turmzimmer zählt.

 

Das Durchgangsheim hat eine Kapazität von zehn Plätzen, die vor allem der vorübergehenden, fluchtsicheren Unterbringung von Kindern und Jugendlichen dienen sollen, die aus anderen Heimen ausgerissen sind. Oftmals werden darüber hinaus auch Kinder hier untergebracht, für die noch kein Heimplatz verfügbar ist. Meist sind es Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, die eingewiesen werden. Allerdings müssen auch wesentlich jüngere Kinder die haftähnlichen Bedingungen des Durchgangsheims aushalten: So sind beispielsweise 1963 insgesamt 91 Minderjährige in der Villa am Schweriner See untergebracht, darunter sechs Kinder im Alter unter sechs Jahren.

 

Die Personalsituation ist dauerhaft angespannt. Denn Mitte der 1960er Jahre verfügt das Durchgangsheim über keinen festen Personalbestand. Kinder und Jugendliche werden deshalb von den Mitarbeitenden des Jugendwohnheims „mitbeaufsichtigt“. Zudem werden zur Betreuung jüngerer Kinder systematisch Mädchen aus dem Jugendwohnheim eingesetzt.

 

Schließlich wird das Durchgangsheim in Schwerin 1987 geschlossen. Anschließend dient die Immobilie bis Ende 1990 als Kindergarten. Heute befindet sich die Villa in Privatbesitz und wird als Ferienwohnung vermietet.

JUGENDWERKHOF
„WILLI SCHRÖDER“ in Rühn

1950 wird auf dem Gelände des Klosters Rühn der Jugendwerkhof „Neues Leben“ eingerichtet. Drei Jahre später erhält der Jugendwerkhof dann den Namen „Willi Schröder“. Durch seine ländliche Lage werden hier vor allem Jugendliche zur „Umerziehung“ eingewiesen, die als „schwer erziehbar“ und besonders fluchtgefährdet eingestuft werden. Zudem befanden sich hinter diesen Gittertüren im Jugendwerkhof zwei Isolierzellen.

 

Bereits 1953 verfügt der Jugendwerkhof über eine Kapazität von 110 Plätzen für Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren. In den 1960er Jahren kommen zusätzlich Außenstellen in Eickelberg, Bandow, Tarnow und Malchow hinzu. Dadurch erhöht sich die Aufnahmekapazität ab 1969 auf 180 Plätze.

 

Während ihres Aufenthaltes müssen die Jungen eine Teilfacharbeiterausbildung unter anderem als Maurerhelfer oder Helfer in umliegenden landwirtschaftlichen Betrieben absolvieren. Die Mädchen werden hingegen als Industrienäherinnen in den Möbelwerken Bützow eingesetzt.

 

1991 wird der Jugendwerkhof vollständig aufgelöst. Anschließend geht das Klosterareal in Privatbesitz über und wird seit 2008 durch den „Klosterverein Rühn e.V.“ restauriert sowie als Veranstaltungsort betrieben.

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